Andacht - Neues Projekt

Burg bei Magdeburg
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Liebe Leser des Gemeindebriefes,

unterwegs mit Gott, das war im vergangenen Sommer wieder einmal unser Motto. Mit den Jugendlichen war ich in Dänemark, auf Kinderfreizeit in Bautzen und zwischendurch auch mit der Familie im Urlaub. Bei unserer Jugendfreizeit haben wir uns in diesem Jahr mit einer biblischen Reisegeschichte beschäftigt. Jona bekam von Gott den Auftrag: Geh in die Stadt Ninive! Aber dorthin wollte Jona ganz und gar nicht. Das kann ich ihm nicht übelnehmen, denn damals war Ninive die Hauptstadt des mächtigen assyrischen Reiches und die Menschen für ihre Grausamkeiten im Krieg und gegenüber ihren Gefangenen bekannt. Kunstwerke von damals zeigen uns Bilder davon. Und auch heute ist diese Gegend kein Ort, an dem man Urlaub machen möchte. Die Überreste der einstigen Stadt Ninive wurden im heutigen Mossul im Nordirak gefunden. Dort, wo noch bis vor kurzem der Krieg des IS wütete. Auf Jugendfreizeit haben die Jugendlichen in ihrer Tagesaufgabe Häuser ausgeschnitten und beschriftet mit Dingen, an denen sie sich wünschen würden, dass Gott etwas dagegen tut. Worte wie Krieg, Mobbing, Plastik im Meer, Umweltverschmutzung und Gewalt standen auf den Häusern. Aber Jona wurde nicht losgeschickt, um zuzusehen, wie Gott alles Böse einfach kaputt macht. Er soll die Menschen warnen und sie damit zur Umkehr bewegen. Jona – das bedeutet „die Taube“ – soll Frieden in die Herzen der Menschen bringen. Denn Gott hat Hoffnung, dass Gutes in den Menschen steckt und sie sich dahin wenden, selbst wenn zunächst nur Böses zu sehen ist. So haben die Jugendlichen schließlich Hoffnungslichter auf ihre Häuser gestellt.

Aber Jona will nicht nach Ninive. Er läuft weg und fährt mit dem Schiff in die entgegengesetzte Richtung. Aber Gott ist nun einmal überall und so bringt der Sturm die Seeleute dazu, Jona über Bord zu werfen. Gott aber schickt einen großen Fisch, um Jona zu retten. Drei Tage sitzt er nun im Bauch des Tieres und beginnt zu beten. Um Gott zu hören und zu ihm zurückzufinden braucht es Stille um und in uns. So wie in einer Schweigeminute am Ende des Gebetes oder wie bei der Tagesaufgabe auf Freizeit, an einem ruhigen Platz zu verweilen, jeder für sich, wie Jona im Fischbauch. In der tiefsten Ausweglosigkeit bittet Jona Gott um Hilfe und lobt ihn sogar schließlich. Er erkennt sein Scheitern und wendet sich wieder Gott zu. Auch wir kennen Scheitern im Leben. Und so schrieben die Jugendlichen auf der Freizeit in ihrem ganz persönlichen „Lebenslauf des Scheiterns“ auf, was ihnen im Leben misslungen ist. Jona bekommt von Gott schließlich eine zweite Chance. Der Fisch setzt ihn an Land und Jona geht nun doch nach Ninive und predigt dort, dass Gott die Stadt untergehen lässt, wenn die Menschen sich nicht ändern. Und er hat Erfolg. Die Menschen tun Buße und ändern ihr Leben. Gott verschont die Stadt, auch wenn Jona am Ende darüber nicht wirklich glücklich ist.

Fröhlich scheitern und es dann einfach mit Gottes Hilfe noch einmal neu versuchen, das soll auch uns Mut machen, dass unser Scheitern am Ende sogar Gutes bewirken kann. Vielleicht können wir so zu “Friedenstauben“ werden, die den Menschen unserer Zeit zeigen, was sie gegen all die auf die Häuser geschriebenen Dinge tun können. Denn wenn wir mit Gott unterwegs sind, dann ist alles möglich.

                                                                                                                     Ihre Anke Fritzsch
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