Home - Kirche-in-burg.de

Direkt zum Seiteninhalt
In der Bibel wird von einem Mann erzählt, dem waren seine Esel weggelaufen. Und er suchte die Esel, aber sie waren nirgendwo zu finden. Da schickte er seinen Sohn los und mit dem Sohn einen Knecht und bat die beiden: geht durch die Berge und sucht die Esel. Und die beiden gingen los. Die Bibel erzählt, dass sie lange unterwegs waren, so lange, dass sie die Suche schon aufgeben wollten. Da sagte der Sohn zu dem Knecht. „Wir finden die Esel nicht. Und der Vater wird sich schon Sorgen um uns machen. Lass uns umkehren und dem Vater sagen, dass die Esel nicht zu finden sind.“

Aber der Knecht hatte noch eine Idee. „Jetzt sind wir so weit gegangen und in der Nähe ist eine Stadt, da wohnt ein weiser Mann. Viele Menschen gehen zu ihm und fragen ihn um Rat und er hat immer ein gutes Wort für die, die zu ihm kommen. Lass uns zu ihm gehen und ihn fragen. Lass uns noch diesen einen Versuch machen.“ Und diesen Vorschlag fand der Sohn gut.

So kamen sie in die Stadt und dort wurde gerade ein großes Fest vorbereitet. Und sie fragten die Leute, wo ist der weise Mann. Und die Leute erzählten: er wird gleich kommen, denn vor dem Fest wird er den Segen sprechen. Und so gingen der Sohn und der Knecht weiter und fragten bald wieder einen Mann, der ihnen entgegenkam: wo finden wir den weisen Mann, der den Segen vor dem Fest sprechen wird. Und er sagte: Ich bin der, den ihr sucht. Macht euch keine Sorge um die Esel, die hat man schon gefunden. Ich lade euch ein zum Fest. Und so nahmen die beiden an dem Fest in der Stadt teil und der weise Mann gab ihnen den besten Platz an der Festtafel und sie feierten.

Am nächsten Morgen nahmen sie voneinander Abschied. Und der weise Mann sagte zu dem Knecht, geh du schon voraus und dann wirst du sehen, dass die Esel schon gefunden wurden. Und zu dem Sohn sagte er: Bleibe du hier stehen, denn ich will dir sagen, das Gott eine neue Aufgabe für dich hat.

Und dann segnete er den Sohn und bat ihn sieben Tage zu warten und nichts zu tun. Dann erst will er ihm die neue Aufgabe übertragen. Die Bibel erzählt, dass diese neue Aufgabe nicht leicht war für den Sohn, denn er sollte König werden. Und es war eine Zeit voller politischer Unruhen. Aber Saul, so hieß der Sohn, hat die Aufgabe angenommen.

Und für diese neue Aufgabe musste Saul Abschied nehmen von seinem alten Leben, Abschied von der Suche nach den Eseln, Abschied auch von dem Knecht, der ihn begleitete.

Und der weise Mann, es war der Prophet Samuel, hat ihm gezeigt, wie er gut Abschied nehmen kann, indem er zu ihm sagte: Bleibe du hier stehen und höre und dann warte sieben Tage, bis es weiter geht.

Diese Geschichte ist eine von vielen in der Bibel, in denen es ums Abschiednehmen geht. Wir müssen im Leben immer wieder Abschied nehmen. Bei Saul war es der Abschied von seinem alten Leben. Und auch wenn wir von einem lieben Menschen Abschied nehmen, dann geht ein Abschnitt auch unserer Lebenszeit zu ende, ein neuer beginnt.

In der Geschichte von Saul und dem Propheten Samuel wird der Abschied ganz bewusst gestaltet. Das ist das Erste, was uns diese Geschichte sagen kann. Jeder Abschied ist ein Einschnitt in unserem Leben. Und es ist gut, wenn wir uns bewusst Zeit dafür nehmen und ihn gestalten. Und wir dürfen uns von der Weisheit Samuels etwas abgucken.

Zuallererst hat Samuel den suchenden Saul mitten in die Gemeinschaft geholt. Er sollte nicht am Rande stehen. Obwohl er sich sicher fremd gefühlt hat in jener Stadt, gehörte er dazu, sollte er an der Tafel mit Platz nehmen. Das heißt, Abschied nehmen geschieht mitten im Leben. Lass dich einladen. Nimm Platz an dem Tisch, wo dich freundliche Gesichter ansehen. Gemeinschaft tut gut und kann helfen, nach dem Abschied auch den Neuanfang zu wagen, der zu jedem Abschied gehört.

Und dann sagte der Prophet Samuel zu Saul: Bleibe hier stehen und höre! Alles andere um ihn herum ging weiter seinen Gang. Der Knecht sollte sogar wieder nach Hause gehen. Aber Saul sollte stehen bleiben. Vielleicht will uns die Weisheit Samuels damit sagen: Denk nicht, dass alles so weiter gehen muss. Vieles um dich herum geht sicher weiter. Aber du, wenn du Abschied nimmst, darfst stehen bleiben. Und erst einmal in dich hinein hören, was jetzt wirklich dran ist. Es muss nichts einfach so weiter funktionieren wie bisher. Es kann guttun, in Ruhe auf die Stimme zu hören, die dir jetzt sagen will, schließe die alte Zeit ab und beginne eine neue Zeit.

Und das erfordert Geduld. Samuel sagt zu Saul: Warte sieben Tage! Erst dann durfte Saul erfahren, wie es weiter geht. Und sieben Tage können manchmal sieben Wochen oder sieben Jahre sein. Es geht nicht um die Anzahl der Tage, sondern um die Geduld, die wir brauchen, bis aus dem Abschied ein Neuanfang werden kann. Die Weisheit Samuels sagt: Nimm dir diese Zeit, du wirst sie brauchen.

Abschied nehmen ist eine große und manchmal schwere Aufgabe, vor der wir stehen. Die Geschichte von Saul und Samuel aus der Bibel kann uns dabei helfen. Sie zeigt, wie ein Abschied gelingen kann. Wenn wir uns einladen lassen in eine Gemeinschaft von Menschen, die es gut mit uns meinen. Wenn wir es zulassen, dass unser Leben für einen Moment stehen bleibt, auch wenn um uns herum alles weiter geht. Und wenn wir Geduld mit uns haben, bis wir bereit sind, den neuen Abschnitt, der vor uns liegt, anzunehmen.

                                                                                                                                
                                                                                                                   Ihr Pfr. Peter Gümbel



Podcast-Predigt: Ende des Kirchenjahres
von Vikar Tim Dornblüth
Zurück zum Seiteninhalt