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Wer in den vergangenen Wochen bei uns den Gottesdienst besucht hat, konnte Vikar Tim Dornblüth in Aktion sehen. Gern überträgt er biblische Geschichten in unsere Zeit und setzt dafür auch ein ganz besonderes Talent ein: er beherrscht verschiedene Mundarten. Für das Rolandfest übersetzte er die Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter. Lesen Sie selbst:
  
Und denn stratzte Jakob los, von Beerscheba nach Haran. Und irgendwo an nem bestimmten Ort hatta denn anjehalten, und sich erstmal pennen jelecht, weil’t neemlich schon dunkel jeworden waa. Dazu hatta sich’n Stein jenommen, woanders hinjeräumt und sich mit’n Kopp ranjelecht.

Und denn hatta jeträumt, did da ne Leiter uff der Erde stand. Und diese Leiter hat mitta Spitze’n Himmel berührt. Und, kannste dich nich vorstellen, uff dieser Leiter stiegen die Engel Gottes rauf und wieder runter.
  
Und janz oben stand Gott persönlich und sagte: „Noa, mein Gudsdor“ — in meiner Vorstellung spricht Gott manchmal im norddeutschen Dialekt ;D — „Na, nu kiek mol on. Ich bin der Heer, der Gott von deinem Oppa Abraham, näch, und von Isaak, Dei’m Vatär, näch? Das Land, wo du grrad draufliechst, das will ich dir gejben. Dir und dienen klienen Schietbütteln, die du noch bekommen wierst. Und das soll’n so viele Schietbüddel werden von dir, so viele wie Sand anna Sej, und die soll’n von Westen bis Osten, und von Norden bis Süden überall wojnen, und durch dich soll’n alle Menschen auf der Erde geseechnet werden. Und außerdejm bleib ich bei diär, und will dich auch beschützen, wo immär du auch hinmarachst, und denn sollssu von mir auch iirgendwann wieder in dieses Land komm’n, näch? Denn ich bleib bei diär, bis ich das erfüllt hab, watt ik dir versprouken hab.“
  
Als denn der Jakob wieder uffjewacht waa, hatta jesaacht: „No, gugge mol do — Jakob spricht bei mir Sächsisch :D —, dor liebe Gott war on dieser Städde, und isch hob’s mir Nische vorstell’n gönn’n.“
  



Und denn hatta aba Angst jekricht, der Jakob, und hat sich jesaacht: „Nu, denn is dos doch ne heilige Städde! Denn soll hier ooch’s Haus vom guden God hingomm’n, denn hier is jo denn de Diere vom Himmel.“  

Und denn hat sich der Jakob den Stein vom Abend vorher jenommen, hat’n aufjetürmt mit andre Steine zu nem Steinmal und Öl druff jekippt, und denn hatta den Ort, wo er jelejen hat, „Bethel“ jenannt, did is Hebräisch und heißt „Haus Gottes“.
Nachgedacht:
Für alle Menschen, die in ihrem Leben schon mal weggelaufen sind, weil sie niemandem in die Augen schauen wollten…
Für alle Menschen, die Umwege und Irrwege kennen und nicht nur immer den geraden und direkten Weg…
  

Für alle Menschen, die sich müde gestrampelt haben und manchmal nur den einen Wunsch haben, einen Ruheplatz für den gestressten Kopf…

Für alle diese Menschen gibt es die Jakobgeschichte, die wir gehört haben.

Jakob ist weggelaufen, er hat sich in eine Sackgasse verrannt und ist müde.

Was macht Jakob? Was hilft ihm in dieser besonderen Lage? Zuallererst: Er legt eine Pause ein! Kein komfortables Wohnzimmer braucht er dazu. Kein schickes Hotel. Er sucht auch nicht die ganz große Auszeit, nach dem Motto: ich bin reif für die Insel. Das kann er sich gar nicht leisten. Davon ist er weit entfernt.
  
Er nimmt einen Stein und ruht sich darauf aus. Ein Stein! Wer weiß, wäre er weitergelaufen, hätte er sich vielleicht genau an diesem Stein böse gestoßen. Vielleicht sind andere schon über diesen Stein gestolpert. Und warum müssen überhaupt immer wieder Steine auf dem Lebensweg liegen? Jakob fragt nicht, Jakob nimmt den Stein und nutzt ihn für eine Pause.

Genial. Machen Sie das auch, wenn Sie sich fühlen wie Jakob. Nicht über den Stein ärgern, der da im Weg liegt, sondern sagen: bevor ich mir die Füße wund laufe, mache ich hier und jetzt eine Pause. Diese Zeit braucht mein Kopf.
  





Was dann mit Jakob passiert, kann man nicht einfach nachmachen. Denn Jakob wird ein ganz besonderer Traum geschenkt. Der Traum von der Himmelsleiter. Dieser Traum ist so einmalig, dass er es in die Weltliteratur geschafft hat. Wenn das bei meinen Träumen der Fall wär‘, na dann: arme Weltliteratur.

Jakobs Traum ist einmalig schön. Aber langsam: Jakob hat sich den Traum nicht selbst ausgedacht. Ihm ist der Traum geschenkt worden! Was Jakob in diesem Moment aktiv gemacht hat? Er hat sich etwas schenken lassen! Er hätte ja auch sagen können: Was kann ein Traum schon bedeuten. Oder: Das ist vielleicht alles nur eine Täuschung. Nein! Jakob nimmt das Geschenk an.

Und da kommt Gott ins Spiel. Wenn wir im Dauerlauf des Lebens eine Pause machen, dann dürfen wir gespannt sein, was uns in diesem Moment geschenkt wird. Vielleicht auch ein Traum, oder einfach ein neuer Gedanke. Eine neue Erfahrung, ein Ausblick, ein freundliches Gesicht und vielleicht ein Gespräch.
In Jakobs Traum gehen die Engel auf der Himmelsleiter rauf und runter. Das heißt doch, er konnte auf einmal sehen, da gibt es Engel, die sind längst schon bei mir. Sie stehen im Kontakt mit der göttlichen Kraft, die alles Leben schenkt. Und sie kommen immer wieder zu mir zurück.
  

In der Geschichte der Himmelsleiter sind es Engel, Dietrich Bonhoeffer hat es in seinem berühmten Lied anders genannt: Von guten Mächten wunderbar geborgen.

Und Sie haben vielleicht ganz andere Namen für die guten Wegbegleiter, die wir oft nicht sehen, die uns aber Mut machen für den nächsten Tag.

Möge jeder Tag eine Pause haben. Mögen Steine, die im Weg liegen, uns daran erinnern, wo uns das Leben plötzlich beschenkt. Mögen uns die guten Kräfte, die uns begleiten, immer mal sichtbar werden, damit wir mutig weitergehen können.
Segen

Es segne und behüte uns Gott, der unsichtbare, der uns nahe ist und unsere Wege begleitet.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns wie die Sonne am Mittag und sei uns gnädig in allem Licht und Schatten, die in unserem Leben sichtbar werden.

Gott wende sein freundliches Gesicht uns zu und schenke uns tief im Herzen Frieden! Amen
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