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Wie gehen wir mit Konflikten um?

Das kann doch nicht wahr sein! Wie bitte? Das regt mich auf! Das will ich nicht akzeptieren. Ganz und gar nicht! Wir ärgern uns manchmal darüber, wenn etwas schiefläuft, im Großen, wie im Kleinen. Wir ärgern uns über Dinge, die einfach unerträglich sind oder ungerecht. Das könnte doch viel besser sein! Das ist unerhört. Wir schütteln den Kopf! Nein, so kann es nun wirklich nicht gehen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Stimmen auch damals zur Zeit der Urgemeinde in Jerusalem zu hören waren. Wir können es in der Apostelgeschichte, im 6. Kapitel nachlesen:

„In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.“



Die Bibel sagt so schön: da erhob sich ein Murren. Und so ein Murren besteht ja aus vielen Gefühlen der Unzufriedenheit und aus vielen ärgerlichen Äußerungen, die erst leise vorgetragen, dann aber immer stärker und unüberhörbarer werden.

Was war passiert? Nach dem Pfingstwunder war aus dem kleinen Kreis der Jesusanhänger eine große Gemeinde gewachsen. Petrus, Johannes und die anderen hatten offen und begeistert in Jerusalem von Jesu Botschaft gepredigt und immer mehr Leute ließen sich taufen. Es liest sich wie eine unendliche Erfolgsgeschichte. Nur war dieser Erfolg eben nicht unendlich, sondern er endete in einem großen Konflikt.

Die Gemeinde war so groß geworden, dass es unterschiedliche Gruppen in der Gemeinde gab. Allein sprachlich unterschieden sich diejenigen, die in Jerusalem zuhause waren und die Zugezogenen, die das weltläufige Griechisch sprachen. In der Gemeinde waren eben doch nicht alle gleich. Die griechisch Sprechenden warfen den Alteingesessenen vor: ihr vergesst uns bei der Armenversorgung! Die soziale Arbeit war offensichtlich ein ganz wichtiger Bestandteil in der Urgemeinde.

Da haben wir also einen Konflikt. Und Konflikte kommen überall vor, warum nicht auch in der Urgemeinde. Und wir können wunderbar beobachten, wie nun die Jünger mit diesem Konflikt umgehen. Wie reagieren die Jünger?



Sie sprechen darüber! Erster Schritt! Da werden alle zusammengerufen und jeder darf seinen Standpunkt sagen. Die Kritik wird benannt. Der Konflikt kommt auf den Tisch. Und die Jünger vertreten auch ihren Standpunkt: Wir können das nicht schaffen, wir kommen an unsere Grenzen, wir brauchen neue Lösungen. Das Sprechen ist der Anfang der Konfliktlösung.

Zweiter Schritt: Seht euch um nach Leuten, die in dieser Situation helfen können! Das heißt, der Konflikt wird angepackt, indem man sich vernetzt mit anderen Menschen, die etwas einbringen können. Hier werden die verschiedenen Seiten und Standpunkte miteinander verknüpft. Zweitens also: sich umschauen!



Dritter Schritt: Die Jünger sagen ganz bescheiden, wir wollen das tun, was wir gut können. Und ihr nehmt bitte diese neue Aufgabe ganz eigenverantwortlich wahr! Die Jünger geben damit Verantwortung ab. Und sie zeigen hiermit ein großes Vertrauen, das sie in diejenigen setzen, die diese Aufgabe nun übernehmen. Denn bisher hatten sie die gesamte Leitung der Gemeinde. Nun wird ein wichtiger Teil der Gemeindeleitung in andere Hände gelegt.

Ich glaube, dieses Abgeben und Vertrauen, der dritte Schritt, ist der schwerste Schritt, denn damit geben die Jünger auch ein Stück Entscheidung über die Zukunft der Gemeinde ab. Die Bibel erzählt in den folgenden Kapiteln ganz klar, wie sich nun aus der Urgemeinde eine weit verzweigte christliche Kirche entwickelt, in der die Jünger ein großes Stück zurücktreten. Drittens also: auf die Kompetenz des anderen vertrauen.

Die Apostelgeschichte erzählt hier von einem Konflikt in der Urgemeinde und wie er gelöst wird. Das ist nicht nur historisch spannend, sondern kann uns auch zeigen, wie wir mit offenen Fragen, mit Problemen, mit Konflikten in der Gemeinde, aber auch im persönlichen Alltag und in der Familie umgehen können.

Drei Schritte: Erstens – Miteinander sprechen! Zweitens – sich nach Hilfe umschauen! Drittens – auf die Kompetenz des anderen vertrauen. Sprechen, Umschauen und Vertrauen. Und das geht sicher nicht eins, zwei, drei. Sondern da müssen wir immer wieder hinschauen und einen Schritt zurückgehen, wenn wir erneut an eine Grenze stoßen.



Sprechen, Umschauen, Vertrauen. Die Jünger haben es uns vorgemacht. Wir dürfen es nachmachen in allen möglichen Konflikten, im Kleinen und im Großen. Sprechen, Umschauen und Vertrauen, damit uns Konflikte nicht blockieren, sondern weiterbringen.